Im Test: Verbesserung der Sichtbarkeit im Web durch Social Bookmarks?

Seo, und damit Linkaufbau ist eines der Elemente des funktionalen Webmarketings.Die Verbesserung der Sichtbarkeit im Web durch den Aufbau von Links die auf das eigene Angebot verweisen, ist einer der Grundpfeiler des sogenannten SEO – Der Suchmaschinen-Optimierung, die einen Eckpfeiler des erfolgreichen Web-Marketings darstellt.

Nun ist es ja in der heutigen Zeit nicht so ganz einfach, an diese begehrten Verweise zu kommen. Zumindest wenn schnelle Erfolge gefragt sind, ist der „natürliche Linkaufbau“ eine anstrengende und vor allem zeitraubende Sache. Denn diese Links kommen halt nur zustande, wenn Ihre Webseite so gute Inhalte aufweist, dass sie von ihren Besuchern im Internet Z.B. verlinkt, bookmarked, geteilt oder getwittert wird.

Was liegt also näher, als diesen Prozess ein wenig zu beschleunigen und am besten noch via Outsourcing auszulagern um die eigene Arbeitskraft nicht mit stundenlanger Suche nach „guten Quellen für Backlinks“ zu binden?

Eins vorweg: Wie Sie vielleicht wissen, stehe ich dieser Art von SEO sehr misstrauisch gegenüber. Stark vereinfacht gesehen sind von anderen Webseiten gesetzte Links nichts anderes als eine Stimme für eine Webseite in einer Art demokratischer Abstimmung über das jeweils am besten zu einem Problem passende Angebot. Und dadurch, dass ich mir viele Stimmen für meine Webseite kaufe, manipuliere ich diese Abstimmung – Etwas, das mir eigentlich zuwider läuft. Aber Sie kennen sicherlich das „Engelchen / Teufelchen“-Problem …

Als ich eines schönen Tages im Februar 2012 im Forum von Peer Wandigers „Selbständig im Netz“ Blog auf das folgende Angebot stiess, kam ich auf die Idee es doch einfach mal auszuprobieren. Eine für einen Test passende Internet-Präsenz hatte ich und für den Fall, dass Google der Seite den Stecker zieht musste ich mir keine Sorgen machen: Das für den Test ausgesuchte Projekt ist schlicht zu klein und unwichtig…

Die Ausgangslage

Jetzt wird’s etwas technisch, ich versuche das aber so weit als möglich auch für neue Webmaster lesbar zu halten :)

Mein Projekt:
Ein seit gut 4 Jahren bestehender Kleinanzeigenmarkt in einer eher kleinen Interest-Nische. Das Angebot läuft nach einer Anfangsphase eher seitwärts – Also seit gut 2 Jahren, ausser den normalen saisonalen, keine sonderlichen Schwankungen in den Besucherzahlen. Zum Einsatz kommt ein periodisch gewartetes Standard-Script von PHP Classified. Es wurden auch bis auf „sprechende URLs“ keine Anpassungen zur besonderen Suchmaschinen-Optimierung auf der Seite selbst gemacht. Monetarisierung erfolgt über Google-Adsense, das resultierende Einkommen pro Monat langt für ein Bier und eine Currywurst unter Kollegen.

Im Monat Februar zählte Google Analytics 645 eindeutige Besucher, die zusammen 4011 Seitenabrufe generierten.
Hier ein Überblick über die Besucherentwicklung der letzten 12 Monate, von Februar 2012 an rückwärts:

Besucherentwicklung Februar 2012

Bis auf die Jahreszeiten passiert da nicht viel: Jeden Monat eine Currywurst, im Sommer mit zwei Bier dazu…

Das sollte nun das Angebot des „SocialMediators“ ändern.

Bislang zeigten knapp 10 Links auf die Homepage. Um mit dem Kollegen nun also auch mal ein anständiges Currywurst-Bier-Gelage feiern zu können, sollte der SocialMediator nun mit 1000 (!) Social Bookmarks die wiederum mit sogenannten „2-Tier-Backlinks“ befeuert werden, die etwas statische Lage ändern und endlich Bewegung in die Sache bringen: Google soll jetzt mal anfangen ordentlich Besucher auf die Homepage zu schaufeln, damit die Neuanmeldungen und Adsense-Einnahmen in die Gänge kommen.

Da ich gehört habe, das zu schnelles Wachstum bei den Links dazu führt, dass Google misstrauisch wird und die gelinkte Seite bestraft, habe ich noch die Option gebucht, mit der der Eintragungsprozess verlangsamt wird. So das Google nix merkt ;)

Die Auftragsabwicklung

Der Kontakt zum SocialMediator gestaltete sich einfach: Mittels einer privaten Mail im Forum wurde der Auftrag erteilt. Kurz darauf erhielt ich eine Rechnung, die ich sogleich bezahlte.

Kurz darauf konnte ich im Kundenbereich der Webseite die Projektdaten, also die gewünschten „Keywords“ die als Linktext verwendet werden sollten und einen Text angeben, der als jeweilige Beschreibung zum Einsatz kommen sollte. Dieser Text wurde anschliessend gespinnt, was soviel bedeutet als das man alle möglichen Synonyme für alle möglichen im Text vorkommenden Worte versucht herauszuarbeiten und diese dann bunt durcheinander gewürfelt jeweils als Beschreibungstext verwendet.
Solche Texte lesen sich manchmal sehr lustig.

Nachdem ich das alles getan hatte, konnte es also losgehen. Ich wartete gespannt.

Es dauerte rund 14 Tage bis ich den ersten „Live-Report“ erhielt. Gespannt öffnete ich das PDF um festzustellen, dass die meisten Daten nicht dargestellt werden konnten. Ein kleines Problem bei der Formatierung, das aber mit Hilfe des Supports behoben werden konnte. Einige Tage später dann konnte ich zumindest die eingetragenen URLs einsehen, der Rest ging zwar immer noch nicht, aber was soll’s.

Ich sah also in etwa folgendes:

Insgesamt wurden während der Laufzeit der Eintragungen, die abweichend des Vertrages bis zum 01.06.2012 dauerten, 1145 Bookmarks gesetzt.

In den Google Webmastertools sind diese Eintragungen teilweise angekommen: Es werden nun 319 Domains ausgewiesen, die insgesamt 4840 Links auf die Seite setzen. 4811 Links verweisen direkt auf die Startseite, mit grösstenteils harten Brand-Links, die den Domainnamen enthalten.

Innerhalb von nur ein paar Wochen sind also hunderte Links aus meist mehr als weniger fragwürdigen Linkquellen dazugekommen. Alles Verweise, denen ich als Suchmaschinen-Betreiber nicht den allergeringsten Kredit einräumen würde und bei denen der Manipulationsverdacht bei der Menge zum Himmel stinkt!

Wie reagiert Google darauf?

Kurz gefasst: Bislang überhaupt nicht.
So wie man es hätte erwarten können, ist es auch eingetreten: Google interessieren die Social-Bookmarks, auch in tausendfacher Ausfertigung, schlicht überhaupt nicht. Alles andere hätte mich auch schwer verwundert.

Denn obwohl diese Art des Linkaufbaus schwer nach Manipulation riecht und so offensichtlich ist, dass es schon fast weh tut, besteht seitens des Suchmaschinenbetreibers kein Grund, die durch diese Linkschwemme gepushte Seite zu bestrafen oder besser zu listen.
Denn einerseits sind alle die im Report genannten Domains, in denen der Eintrag gemacht wurde im weitesten Sinne FFA (Free For All) Linklisten. Und Linkquellen, an denen man sich selbst bedienen kann, können mangels Vetrauen in das Votum keine Empfehlung sein …

Andererseits allerdings dürfen auch tausende solcher Links kein Kriterium für eine Bestrafung einer Seite sein, denn sonst könnte man mit ein paar Euros in der Hand viele solche Links kaufen und jeden beliebigen Konkurrenten aus dem sichtbaren Web (AKA Google) schiessen.

Hier der Webmaster-Tools-Shot der Suchabfragen von März bis heute:

Mit ein wenig guten Willen könnte man dort eine Verbesserung der Anzahl der Suchabfragen herbei argumentieren, nur ist das Besucheraufkommen auf der Webseite stark saisonal – Im Sommer kommen immer mehr Besucher und die entsprechenden Suchphrasen werden öfter nachgefragt. Für mich ein guter Indikator ist der Sichtbarkeitswert z.B. von Sistrix. Und der ist mit 0.4 und einem Pagerank von 2 ziemlich genau gleich geblieben.

Mein Fazit

158,90 Euro hat der Service gekostet. Das entspricht in etwa 100 Currywürsten oder mindestens 45 halben Liter Bier, frisch gezapft. Das nächste Mal ziehe ich mit ein paar Freunden zünftig um die Häuser – Da habe ich dann wenigsten noch die eine oder andere bleibende Erinnerung davon :)

Sollte sich an der Sichtbarkeit in den Suchmaschinen in den nächsten Tagen oder Wochen doch noch was ändern, werde ich den Artikel hier ergänzen. Solange gilt aber: Ausser Spesen nix gewesen…

Illustration: © N-Media-Images – Fotolia.com

5 thoughts on “Im Test: Verbesserung der Sichtbarkeit im Web durch Social Bookmarks?

  • Hallo Uwe(?),

    ich bin über das Forum „Selbstständig im Netz“ auf diesen Artikel von dir gestoßen. Dein Testbericht ist sehr interessant und angenehm zu lesen. Aber meinst du nicht das eventuelle Veränderungen der Rankings erst nach einer langen Zeit zu sehen sind?

    Also meine frage, was denkst du wann ein Link beginnt wirklich „Juice“ abzugeben? Bzw. ab wann wird die Linkpower mit in das Ranking einfließen?

    Passiert das direkt nach dem Google den neuen Content indexiert hat?

    Ich freue mich auf Feedback!
    _
    Beste Grüße,
    Jascha P.

  • Hi Jascha,

    vielen Dank für Dein Feedback.

    Ich wollte einfach mal ausprobieren, was denn Links, die IMHO gar keinen effektiven „Juice“ haben so ausrichten.
    Also Social-Bookmarks sind wahrscheinlich, neben Wald-und-Wiesen-Webkatalogen, die ineffektivste Art sich Backlinks zu besorgen. Und in Kombination mit einer ordentlichen Portion „Artikel-Portalen“ ein supersicheres Signal eines manipulierten Linkprofils.

    Bislang ist wirklich nicht viel passiert. Weder bei Google noch an der Besucherzahl sind Saisonbereinigt grossartige Effekte feststellbar.
    Das entspricht auch der Erwartung.

    In wie weit Google nach einer Indexierung eines Links und den verknüpften Inhalten das Ranking direkt anpasst, weiss nur die Glaskugel. Es gibt aber Effekte, die meiner Meinung nach darauf hinweisen, dass es ganz schön schnell gehen kann. Zumindest das Bombardement einer Domain mit hunderten SB-Links die vorher nur eine Handvoll Links hatte, müsste doch irgendwas bewirken, oder?

    Aber ich bleibe dran – und sobald es doch noch einen Ausschlag gibt, schreibe ich das auch :)

  • Hallo Uwe,

    das stimmt aber nicht nur Social Bookmarks. Die gehören zum passenden Linkprofil einfach dazu! ;-) Der Mix sollte aus allen Bereichen stimmen. Überwiegend Social Bookmarks wirft doch bei Google auch einen Verdacht auf Manipulation auf oder?

    Wie schon gesagt glaube ich nicht das es alleine mit Social Bookmarks funktionieren kann, klar die gehören im Mix dazu, aber der Mix macht es! ;) Es muss ja nicht immer die eigene Seite verlinkt werden, es schadet meiner Meinung nach nichts mal die gebenden Seiten zu „bookmarken“! Also die Seite/Unterseite auf der der Link zu Ihren Seite untergebracht ist.

    Ich freue mich auf weiteres Feedback.
    __
    Beste Grüße,
    Jascha

  • Hallo,
    Auch wenn dieser Beitrag schon uralt ist, muss ich was dazu schreiben :-)
    Bookmarks auf die eigene Seite setzten würde ich nie. Wenn man schon Bookmarks kaufen will dann baut man am besten davor einen oder mehrere gratis Blogs auf wordpress.com oder ähnlichem, schreibt 3-4 kurze Beiträge und pumpt diese dann mit Social Bookmarks voll. Alles andere macht kaum Sinn und macht im schlimmsten Fall das Ranking kaputt.

    Grüße

  • Noch vergessen: Die mit Social Bookmarks vollgepumpten gratis Blogs, sollten dann auf die eigene Seite verlinken. Grüße

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