Ein Netbook für Unterwegs? Das LG – X120 von Vodafone in der Praxis

Die Ferien standen vor der Tür und wegen einer plötzlichen Erkrankung im Familienkreis mussten wir unsere Pläne für den wohlverdienten Urlaub ändern. Nun ging es halt mit dem Fahrrad von Berlin nach Usedom und unterwegs sollte auf Zeltplätzen übernachtet werden.

LG X120 in der Wildnis

Aus naheliegenden Gründen ist es für Webworker besser, nicht nur ständig erreichbar zu sein, sondern im Störungsfall auch effektiv eingreifen zu können. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben zudem deulich gezeigt, dass Smartphone-Lösungen im Urlaub zwar ganz nützlich sind, eine „richtige“ Arbeitsstation im Ernstfall jedoch nicht ersetzen können.
Nun könnte ich zwar mein liebes Macbook mitnehmen, aber schon der Gedanke, dass „mein Baby“ irgendwo im Zelt rumliegt, evtl. nass wird und jederzeit geklaut werden könnte, macht mich nervös. Also musste eine Zweitlösung gefunden werden, irgend etwas, dass zwischen Smartphone und Notebook liegt. Ein Netbook also: Preiswert, portabel, mit langer Batterielaufzeit und eingebautem UMTS-Adapter sollte her. Das das Ding nebenbei auch noch ganz Nett aussehen sollte, ist ein Supplement.

Der Markt gibt soviel nicht her. Die Asus Dinger finde ich optisch nicht so gelungen, HP ist zwar optisch okay, haut leistungsmässig aber nicht um. Blieb zum guten Schluss das X120 von LG übrig, das man bei Vodafone in Deutschland schon ab 49,00 Euro mit Data-Flat Vertrag bekommt.
Da ich Deutschland aber bereits im August wieder zu verlassen gedenke, musste das Gerät ohne Vertrag gekauft werden. Und das ist zumindest bei Vodafone gar nicht so einfach, wenn man die Offline Variante bevorzugt: In Leipzig war das X120 nicht zu ohne Vertrag zu bekommen, obwohl der Vodafone Onlineshop das Netbook ohne  Vertrag anbietet. Gibt wohl Provisionen für die Verkäufer. Auf jeden Fall war das Personal im Vodafone Shop Leipzig weder freundlich noch kooperativ und wollte auf meine Fragen z.B. zu Vertragsbedingungen (vorzeitiger Ausstieg, Abstandssumme etc.) keine Ausküfte erteilen, auch war es nicht möglich ein Exemplar der Vertragsbedingungen vor Abschluss des Vertrages überhaupt nur einzusehen.

  • Fazit: Vodafone Shop Leipzig: Failure! Setzen, Sechs.

Aber wieso überhaupt Vodafone? Nun – Nur Vodafone bietet das X120 mit rotem Rand an. Und die Version finde ich optisch am gelungensten ;)

Aus dem Webshop heraus klappte die Bestellung des LG X120 dann problemlos, zwei Tage später brachte der Postbote das Paket.

Im folgenden berichte ich nicht grossartig über technische Spezifikationen u.s.w. – Das findet man im Web zuhauf, ausserdem sind die Dinger eh fast alle gleich ausgestattet: Windows XP, 160 GB Festplatte, 1024×560 Pixel Glossy Screen, Atom Prozessor, 1 GB Ram, Intel GMA Grafikchipsatz mit shared Memory – Die übliche Netbook Sauce halt.

Das Design des LG X120 ist aber wirklich gelungen, auch haptisch macht das Gerätchen etwas her, der Deckel ist halbtransparent, matt mit sichtbarem LG Logo. Das ganze Gerät fasst sich sehr sympathisch an. Die Tastatur ist gross genug um mal auch etwas mehr zu schreiben. Der Lüfter ist im Vergleich zu meinem Macbook allerdings deutlicher hörbar und regelt nach längerem Gebrauch ständig auf und ab. Da hilft auch das Aktivieren des „Silent Modes“ über „Fn“+“F11“ nicht wirklich viel.

Der erste Eindruck nach dem Einschalten war nicht umwerfend.
Ein blendend weisser Desktop mit Vodafone Logo, als Design wurde das meiner Meinung nach grottenhässliche „Tinky-Winky“ Buttondesign von XP als Standard zugeordnet. Als Applikation ist dann noch Open-Office mit von der Partie. Im Prinzip könnte man also direkt loslegen. Zur Konnektivität mit dem Internet kommt ein IP-Connection Manager zum Einsatz, der auch mein WLAN schnell erkannte. Die UMTS Verbindung ist nach dem Einlegen der SIM über den Vodafone Connection Manager schnell erledigt. Ich verwende in Deutschland Vodafone Websessions, das klappt ganz gut. Mal sehen wie es wird, wenn ich in der Schweiz eine SIM eines anderen Anbieters einlegen werde…

Als erstes galt es, das Design wieder auf das „gute alte“ Windows-Design mit den eckigen Knöpfen zurückzustellen. Also „rechte Maustaste in den Desktop, Eigenschaften“ und gut ist!? Mitnichten!
Denn nun verlor der Internet-Explorer seltsamerweise die Hintergrundfarben der Toolbar und der Statusleisten. Bizarr! Das konnte ich zwar jeweils wieder richten in dem man eine typische Windows-Lösung verwendete, aber nach dem nächsten oder auch übernächsten Neustart waren die Knöpfe dann wieder bunt –  Und der IE wieder hässlich, nachdem man das Design dann wieder zurückgestellt hatte. Ach ja, die Lösung: Typisch XP – Man muss im gewählten Design einmal das Farbschema beliebig ändern und dann wieder zurückstellen. Dann hat auch der IE wieder Hintergrundfarben. Ein Muster, wann die Knöpfe auf dem Display wieder bunt wurden, war übrigens nicht zu erkennen. Strange – Aber was will man von einem Sytem erwarten, bei dem man zum Ausschalten auf den Startknopf drücken muss ;)

Aber zurück zur Sache: In den Ferien hat sich das LG – X120 wacker geschlagen. Der Firefox war mitunter etwas träge, so war das System beim Nutzen der Homepage der Deutschen Bahn mitunter schlicht überfordert. Die vielen AJAX-Abfragen und Animationen verunmöglichten die effektive Nutzung dieser Homepage. Ein parallel installierter Safari-Browser meisterte die Bahn-Homepage jedoch ohne Probleme. Die mobile Internet-Nutzung ist im äussersten Osten Deutschlands nur per EDGE / GPRS möglich, HSDPA und UMTS stehen zumindest bei Vodafone nur in den Ballungsräumen zur Verfügung. Aber für unterwegs hat es völlig gereicht. Putty sorgte für den Shell-Kontakt zu den Servern, auf FTP hatte ich verzichtet – Bei den geringen Verbindungsgeschwindigkeiten ist Datenschaufeln auf dem Campingplatz auch nicht lustvoll. Alles in Allem sind Netbooks für den mobilen Einsatz im Web-Bereich eine gute Lösung, denn wenn es mal ins Wasser fällt ist halt nur das „Zweit-Notebook“ weg und nicht das gute Macbook ;)

Die Multimediaperformance ist knapp. Sehr knapp sogar.
Ein Testvideo (mp4) mit PSP-Kompatibler Auflösung und knapp 1MBit Datenrate wird flüssig auch im Fullscreen wiedergegeben. Ein Testeinkauf aus dem iTunes-Store jedoch zeigte die Grenzen des Systemes klar auf. Schnelle Szenen ruckeln deutlich, auch normale Spielszenen sehen irgendwie nicht flüssig aus, obwohl man von ruckeln nicht direkt sprechen kann. Für selbst gerippte Filmchen jedoch sollte es langen – Wenn man alternative Mediaplayer wie z.B. den genialen VLC installiert hat und die Nutzung der nach Ressourcen hungrigen Kommerzprodukte vermeidet. Denn Rechenpower und Speicherplatz hat der Zwerg für heutige Entertainment Anwendungen eindeutig zu wenig, wenn man bedenkt das schon bei Flash-Filmchen der Lüfter deutlich lauter wird.

Fazit: Für die Ferien ein kompaktes und optisch schönes Gerät, das Kontakt zur Heimat aufrecht erhält und als Chat, Mail und Webmaschine sehr gut zu gebrauchen ist. Wenn es ein wenig mehr sein darf, besteht aufgrund mangelnder Rechenleistung die Gefahr der Enttäuschung.

Ach ja: Ob Zufall oder nicht – Skype liess sich erst nach einem Registry-Hack dazu bewegen, einen Connect herzustellen. Ein Schelm, wer Böses dabei denken würde ;)

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